„Nähen und Meer“ und eine maßgeschneiderte Jeans mit Reißverschluss

Ende Mai war ich bei dem Hosennähworkshop von Kaidso-Onlinekurse in Hamburg und habe mir diese Hose auf den Leib geschneidert. Elastischer Jeansstoff, enges Bein, Bund mit Gummiband drin. Einfach zum reinschupfen, mit langem Shirt oder Tunika drüber ideal.

Aber ich trage auch T-Shirts, die ich gerne in die Hose reinstecken würde. Oder kürzere Tops, die dann so um die Höhe des Bundes aufhören:

Und da muss dann eine „richtige Jeans“ her. So eine mit Reißverschluss, festem Bund, Knöpfen und Gürtelschlaufen. Im Mai dachte ich: „Ich weiß ja jetzt wie es geht, das mach in dann „mal einfach so““.

Tja, dann kam der Juni, Sommerfest, Kindergeburtstag, Zeugnisse, dies und das für den Urlaub vorbereiten. Dann der Juli: die ersten zwei Wochen im Urlaub, danach Kinderbespaßung wegen Ferien… in Ruhe nähen? Wann denn das bitte? Abends, wenn man endlich mal nach draußen gehen kann, weil es endlich ertragbar da draußen ist? Nee, dann lieber auf der Terrasse sitzen und gemütlich quatschen.

Aber wann bitte soll ich mir denn meine Jeans nähen? Der nächste Herbst kommt bestimmt! Und da postete Svenja von Kaidso-Onlinekurse kurz vor den Ferien dass sie einen Workshop „Nähen und Meer“ anbieten möchte. Vier Tage Nähen und noch ganz viel mehr in Horumersiel an der Nordseeküste. Mit gemeinsamen Campen auf dem Campingplatz in Schillig, 30 Minuten am Wasser oder auf dem Deich entlang zu Fuß (wer mag) oder in Ferienwohnungen in Horumersiel. Gemeinsames Yoga am Strand oder auf der Wiese in Schillig (wer mag) und ganz viel gemeinsames Nähen im Haus des Gastes in Horumersiel – natürlich auch wer mag, aber deswegen waren wir doch da 😊 .

Und da war es um mich geschehen: Da muss ich hin! Komme was wolle! Vier Tage nähen mit ganz vielen lieben Leuten und bestimmt mit ganz viel Hilfe bei meiner ersten „richtigen“ Jeans. Ferienwohnung direkt im Ort gebucht – das nächste Mal stehen wir mit dem frisch gekauften Camper bei den anderen auf dem Campingplatz. Und ein Fahrrad nicht vergessen! Dann ist man ruckzuck im Nähraum oder zurück ruckzuck beim Yoga.

Genäht haben wir in Horumersiel im Haus des Gastes. Dieses liegt direkt an dem Fußweg zum Strand – ihr glaubt nicht, wieviel Leute dort rein geguckt haben und wissen wollten, was das hier für eine Truppe ist. Ein Mann wollte seine Frau abgeben („Die kleine XY möchte gerne im Smalland abgeholt werden!“ scherzten wir dann rum), ein Papa trabte mit seiner Familie ohne ein Wort des Grußes oder der Entschuldigung durch den Raum und quatsche dabei lautstark mit seiner Tochter. Wenn das statt eine Nähtruppe ein Diavortrag gewesen wäre, wäre der doch auch nicht einfach da durch geschlappt! „Ist das eine private Veranstaltung?“ hörten wir bestimmt 10 Mal 😊 😊 😊 . „Kann ich hier auch mal nähen?“.

Ich wagte mich also todesmutig an meine erste richtige Jeans.Grundlage war der Schnitt, den ich in Hamburg von meinen eigenen Maßen abgenommen habe. Die Hose ist also direkt auf mich zugeschnitten und quasi auf dem Leib geschneidert:

Unelastischen eher dünneren Jeansstoff dafür hatte ich genug – zu Hause! Warum ich nicht alles eingesteckt habe, weiß ich nicht. So hatte ich genau genug Stoff für eine Hose! Mehr wollte ich ja auch nicht nähen. Beim Zuschneiden war ich daher ganz genau, guckte mir meine Schnittmuster, die ich in Hamburg nach meinen Maßen erstellt hatte, an, stellte fest: das eine ist für elastischen Stoff, das andere für unelastischen Stoff. Der für elastischen Stoff war mit Nahtzugabe zugeschnitten, der für unelastischen ohne Nahtzugabe.

Und ich sage euch jetzt: Macht das niemals!!!! Macht alle eure selbst erstellten Schnittmuster entweder konsequent MIT Nahtzugabe, oder konsequent OHNE Nahtzugabe! Aber nicht gemischt! Ich habe extra ganz genau geguckt, bevor ich zugeschnitten hatte: da steht „mit Nahtzugabe“. Okay, also direkt am Rand abgeschnitten, gesteppt, Anprobe: zu eng! Was ist das denn? Zuerst dachte ich: wegen des Wetters dickere Beine. Dann noch weil der Stoff sehr fest ist. Dann habe ich überlegt, ob ich zugenommen habe… aber wie auch immer: passt nicht. Also neues Schnittmuster zeichnen, bei dem alten hatte ich auch zu viel am Bund weggeschnitten, dieser muss höher sein. Ich suchte das alte Schnittmuster, nach dem ich zugeschnitten hatte, raus und stellte fest: das war der für elastische Stoffe!!! Kein Wunder dass die Hose zu eng war! GRRRR!!!

Einen anderen unelastischen Stoff hatte ich nicht mit. Von Svenja hätte ich einen gemusterten unelastischen Cordstoff bekommen – das waren aber nicht ganz meine Farben. Also: elastische Jeans. Geht auch mit Reißverschluss und festen Bund, auch wenn es nicht notwendig wäre.

Ich hatte von den Hosenhelden einen grauen elastischen Jeansstoff mitgenommen. Recht fest und dick, ist also wirklich eher eine Hose für den Herbst. Auf ein Neues. Ich blieb an dem ersten Tag  bis 20.30 Uhr in dem Nähraum – ich wollte noch ein Erfolgserlebnis haben! Ich schaffte die Hose so weit fertig, dass sie an den Beinen, an den Seiten oben und vorne, wo der Reißverschluss rein kommt, perfekt passte. Besonders stolz bin ich auf die gerade Seitennaht:

Nur hinten im Rücken wollte ich jemanden am nächsten Morgen bitten, mir das ordentlich abzustecken.

Am nächsten Tag ging es dann weiter mit Abstecken und enger nähen oben am Bund. Mist, eine Beule. Noch ein Stück abgenäht – Beule immer noch da! Das ganze Spielchen machte ich dreimal, bis ich beim dritten Mal nach der Naht guckte. Gar nicht da! Ich hatte die ganze Zeit ohne Unterfaden genäht!!! GRRRR!!!

Okay, das wäre dann behoben, Beule am Hintern weitestgehend weg, es konnte weiter gehen. Man erahnt hier auf den Fotos die Beule noch etwas…:

Bund zuschneiden, Untertritt, Obertritt, Reißverschluss, alles parat. Uff, am Ende war ich ganz schön geschafft, ist auch nicht ganz so gut gelungen, das Teil vom Reißverschluss das man zum Zuziehen festhält guckt etwas raus und die Kante wellt sich ein bisschen. Aber dafür dass es mein erster Hosenstallreißverschluss ist bin ich echt begeistert.

Die beiden Druckknöpfe sind leider etwas schief übereinander und die Gürtelschlaufen hätte ich enger machen können, aber das sind nun wirklich Feinheiten, die kein Mensch sieht. Unten am Saum habe ich dann ein wenig gespielt und eine Ziernaht verwendet.

Fazit:

  • Ich bin total begeistert von meiner tollen neuen Hose.
  • Ich bin total begeistert von Kaidso-Onlinekursen.
  • Ich bin total begeistert von „Nähen und Meer“.
  • Ich bin total begeistert, dass ich jetzt ein Schnittmuster für so eine tolle Hose habe.
  • Ich bin total begeistert vier tolle Tage mit ganz tollen Frauen verbracht zu haben.
  • Ich bin total begeistert von der Hilfe, die ich bekommen habe. Danke an alle!!!
  • Ich bin einfach total begeistert!

Was mir wichtig war bei dieser Hose ist der hohe Bund. Meine Beine sind eher kurz im Vergleich zu meinem Oberkörper. Mit dem hohen Bund betonte ich meine  Taille und meine Beine wirken richtig lang. Das finde ich grandios:

Eure Charla

Verlinkt bei „Du für Dich am Donnerstag #10“ und bei „Sew La La Up-Party #9“

2 Gedanken zu “„Nähen und Meer“ und eine maßgeschneiderte Jeans mit Reißverschluss

  1. Ich würde sagen, die Arbeit hat sich gelohnt! Es ist doch immer toll, wenn man beim Nähen den nächsten Schritt macht, und eine Jeans ist ja ein Megaschritt! Schön, dass du mit dem Teil bei Sew La La dabei bist! Liebe Grüße Melanie von The Flying Needle

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